Inkontinenz ...

... bei Männern

 

Blasenbeschwerden halten die meisten Männer für Begleiterscheinungen einer vergrößerten Prostata. Doch auch eine überaktive Blase kann dafür verantwortlich sein. Das hat Auswirkungen auf die Therapie.

 

 

Inkontinenz durch Prostatavergrößerung

 

Eine vergrößerte Prostata und Blasenprobleme treten oft als Duo auf. Da die Prostata die Harnröhre umschließt, engt eine Vergrößerung diese ein. Die Blase muss daher mehr Kraft aufbringen, um den Urin durch die verengte Harnröhre zu pressen. Betroffene bemerken das selbst oft daran, dass sie schlecht Wasser lassen können, dass es etwas dauert, bis der Harnstahl einsetzt und gegen Ende des Toilettengangs Urin nachtröpfelt.

 

Blasenprobleme durch eine vergrößerte Prostata sollten daher therapiert werden. Dies geschieht meistens mit Medikamenten, es kann aber auch eine Operation nötig sein.

 

Diagnostik und Therapiemöglichkeiten haben wir im Kapitel „Gutartige Prostatavergrößerung“ für Sie beschrieben.

 

 

Inkontinenz durch überaktive Blase

 

Hinter den Störungen beim Wasserlassen kann auch eine überaktive Blase (overactive bladder, kurz OAB) stecken. Sie ist eine Folge des Älterwerdens, bei der das Zusammenspiel zwischen Blase und Gehirn nicht mehr einwandfrei funktioniert.

 

Die Symptome einer vergrößerten Prostata und einer überaktiven Blase überlappen sich. Erst eine genaue Untersuchung mit einer Blasendruckmessung könne zeigen, ob eine vergrößerte Prostata oder Alterungsprozesse im Gehirn oder beide Erkrankungen für die Drangsymptome verantwortlich ist. Ist eine Überaktivität der Blase nachgewiesen, wird medikamentös therapiert.

... bei Frauen

 

Ursachen und Risikofaktoren

 

In Deutschland gibt es rund sechs Millionen Menschen, deren Blasenfunktion gestört ist. Durch anatomische und hormonelle Unterschiede sind Frauen schon in jungen Jahren doppelt so häufig betroffen wie Männer.

 

Blasenschwäche kann verschiedene Ursachen haben. Schon junge Frauen sind überdurchschnittlich häufig betroffen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter noch steigt: Schätzungen zufolge leiden 40 Prozent aller Frauen über 60 Jahre an Blasenschwäche. In den meisten Fällen lässt sich keine auslösende Erkrankung wie ein Tumor, ein schwerer Bandscheibenvorfall etc. finden.

 

Die Gründe liegen vielmehr in der Natur der Frau, die da wären:

 

  • Häufige Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Unterleibsoperationen
  • Schwäche der Beckenbodenmuskulatur
  • Schwäche des Bindegewebes
  • Senkung von Gebärmutter und Beckenboden
  • Wechseljahre und Östrogenmangel

 

Der behandelnde Arzt unterscheidet Ausprägungen:

 

  • Belastungsinkontinenz: ungewollter Urinverlust bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Heben von Lasten oder Treppensteigen
  • Dranginkontinenz: die Betroffenen verspüren einen starken und plötzlichen Harndrang, so dass sie es nicht mehr bis zur Toilette
  • Reflexinkontinenz: unfreiwilliger Urinverlust ohne Harndrang durch unkontrollierbare Nervenreflexe
  • Überlaufinkontinenz: ständige Abgabe kleiner Urinmengen ohne vollständige Blasenentleerung

 

 

Diagnostik

 

Erster Ansprechpartner sollte Ihr Hausarzt,  Frauenarzt oder Ihr Urologe sein.

 

Wir Urologen erhalten durch das Abtasten des Bauchraums und der Nierengegend erste Hinweise auf krankhafteVeränderungen von Nieren, Blase oder Harnleiter. Bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion prüfen wir, ob sich Bakterien im Urin nachweisen lassen. Mit Hilfe von Ultraschall und Röntgen gewinnt man einen Überblick über Lage, Form und Beschaffenheit der harnableitenden Organe. Die urodynamische Untersuchung vermittelt einen Eindruck über den Ablauf der Blasentätigkeit.

 

Sollten die bisherigen Ergebnisse nicht ausreichen, um eine gesicherte Diagnose zu stellen, schließen sich weitere Untersuchungen bei Ihrem Frauenarzt an.

 

 

Therapie

 

Sie hängt entscheidend von der Form der Blasenschwäche abhängt. Bei der Behandlung von Belastungs- und Dranginkontinenz gibt es eine Reihe erfolgreicher Therapiemöglichkeiten, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

 

 

Physikalische Therapie bei Belastungsinkontinenz

 

  • Stärkung des Beckenbodens durch Muskeltraining mit Hilfe von Physiotherapie
  • Medikamentöse Behandlung
  • Zur Behandlung von Blasenschwäche, die durch einen Hormonmangel in den Wechseljahren hervorgerufen wurde, können Östrogene in Form von Salben oder Vaginalzäpfchen verabreicht werden.

 

 

Operative Verfahren

 

Stellt sich trotz all dieser Maßnahmen kein Erfolg ein, kann es sein, dass Ihnen Ihr Arzt zu einer Operation rät. Je nach Ursache der Blasenschwäche kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, das Bindegewebe des Beckenbodens zu straffen. Ist ein Absenken der Blasenorgane für die Inkontinenz verantwortlich, können Blase und Harnröhre angehoben werden, um die ursprüngliche Lage wiederherzustellen. Bei einer Harnröhrenunterspritzung werden Kunststoffe oder natürliche Bindegewebssubstanzen um die Harnröhre im Bereich des Blasenhalses gespritzt. Dieser zusätzliche Druck verbessert die Verschlussfähigkeit der Harnblase. Die sogenannte TVT-Operation (Tension-free Vaginal Tape) lässt sich sogar bei örtlicher Betäubung vornehmen.

 

Um es Ihrem Arzt leichter zu machen, Ihre Blasenschwäche einschätzen zu können, bringen Sie bitte ein ausgefülltes Miktionsprotokoll mit, in das Sie eintragen, wann Sie Ihre Blase entleert haben, ob Sie unfreiwillig Urin verloren haben und wie viel Flüssigkeit Sie zu sich genommen haben.

 

Das Miktionsprotokoll zum Ausfüllen erhalten Sie in unserer Praxis oder als Download.